Schöne neue Welt

Im Interview mit 0816 spricht Roland Düringer über die Aktion #allesdichtmachen, wieso er glaubt, dass die Maßnahmen der Bundesregierung nicht verhältnismäßig sind und warum die Coronakrise noch mehr zur Spaltung der Gesellschaft beiträgt.

Lieber Roland, in deinem Video zur #allesdichtmachen Aktion rufst du dazu auf, die Maßnahmen der Bundesregierung einzuhalten, da wir so mit Hilfe der modernen Wissenschaft den “Fehler der Schöpfung, nämlich den Tod, korrigieren könnten, um uns ein ewiges Leben zu bescheren”. Außerdem sprichst du davon, dass man nur auf ein “Software-Update” vergessen hat, wenn man in Zukunft schon mit 85 in die Kiste springt.

Würdest du demnach zustimmen, dass die Corona-Pandemie in einer gewissen Art und Weise ein natürlicher Ausleseprozess der Natur ist? Und ist es dann nicht auch eine natürliche Reaktion des Menschen darauf, zu überleben, indem er versucht, sich zu schützen? Beziehungsweise andere schützt?

Es gibt Bestrebungen, die Biologie und die künstliche Intelligenz zu verbinden, das sind die Transhumanisten. Also der Glaube ist, dass wenn wir unsere Körperdaten so überwachen können, dass wir in Zukunft Krankheiten schon bevor sie auftreten, verhindern können, somit den Alterungsprozess einschränken und zugleich das Leben verlängern können. Denn wenn du, schon bevor die Krankheit entsteht, Gegenmaßnahmen ergreifst, gibt es diese Möglichkeit. So scheint es dahingehend tendenziell in der Medizin zu sein, ganz einfach deswegen, weil die technischen Möglichkeiten da sind. Wir können erkennen, dass das, was die Medizin macht und auch das Bild, das die Medizin auf den Menschen hat, ja immer irgendwie mit technischen Revolutionen verknüpft ist. Jegliche technische Veränderung die passiert, hat irgendwo ihren Preis. Genauso können wir jetzt auch noch nicht einschätzen, wo es uns als Menschen hinführt, wenn wir uns ständig gegenseitig und auch selbst überwachen und irgendwo Daten abliefern, gerade was die Gesundheit betrifft.

Das was du noch gesagt hast „Ist es nicht etwas Natürliches, wenn man merkt, dass die Gesundheit angegriffen ist oder das Leben gefährdet ist, dass man Maßnahmen dagegen unternimmt?“

Ja, das ist vollkommen normal. Glücklicherweise aber schon vorher Maßnahmen in manchen Bereichen zu ergreifen, dass die Maßnahmen, um die Notbremse zu ziehen, gar nicht notwendig sind. Ich meine, du rauchst, ohne dir das vorzuwerfen, aber wenn du dann sagst mit 45 „Heast jetzt huast i scho, i hea jetzt auf mit rauch‘n!“, da wirst du dann einen Entzug machen und wirst dir das abgewöhnen und genauso ist es, wenn man zu viel Zucker zu sich nimmt oder sich zu wenig bewegt etc. Es bleibt also nichts, was wir machen, ohne Folgen. Es gibt auch für den Menschen, obwohl er glaubt, er ist die Krone der Schöpfung, kein Recht darauf, dass man die durchschnittliche Lebenserwartung erreicht. Das Recht hat niemand. Das hat kein Lebewesen auf dieser Welt. Leben ist etwas Universelles, was immer in Bewegung ist und das kann einfach enden. Und wir verdrängen das immer mehr und lagern das aus. Heute passiert der Tod irgendwo auf einer Intensivstation, oder irgendwo im Spital, dann geht‘s „Zack zack, weg. Wollen wir gar nicht viel schauen, gerade noch bisschen verabschieden. Es ist das, was den Menschen ausmacht. Wir lagern den Tod aus und die wenigsten Menschen setzen sich mit ihrer eigenen Endlichkeit nicht wirklich auseinander, außer dann, wenn eine Diagnose vor der Tür steht und dann  ist meistens Panik angesagt und man hat sich darüber keine Gedanken gemacht, dass es irgendwann enden wird. Das kann man oft nicht entscheiden, selbst der, der auf sich aufpasst, kann irgendwas kriegen. Das Leben ist nicht gerecht.

Das Leben ist lebensgefährlich…

Lebensgefährlich sowieso, aber nicht gerecht. Also dass wir Gerechtigkeit einfordern, das gibt‘s in der Natur eigentlich nicht.

Gilt es nicht gerade die zu schützen, die an der Front stehen, also Menschen mit Vorerkrankung, alte Menschen oder Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen?

Es ist ja ein Unterschied, ob jemand eine psychische Beeinträchtigung hat oder ob jemand alt ist. Es gibt Menschen, die sind jung und haben eine psychische Beeinträchtigung. Prinzipiell als Menschen haben wir die Fähigkeit, weil wir Empathie empfinden, den Schwächeren zu helfen. Immer im Leben. Ob wir die entweder mitziehen oder für die Erledigungen machen, sich um sie kümmern, das geht alles. Die Frage ist nur und das ist auch eine grundsätzliche Frage, ob es nicht töricht ist, dass man das nackte menschliche Leben höher einstuft als die Dinge, die uns als Menschen das Leben lebenswert machen.

„Die Frage ist nur und das ist auch eine grundsätzliche Frage, ob es nicht töricht ist, dass man das nackte menschliche Leben höher einstuft, als die Dinge, die uns als Menschen das Leben lebenswert machen.“

Roland Düringer im Interview mit 0816

Denkst du, dass die Corona-Maßnahmen tatsächlich dazu beitragen konnten, diese Menschen zu schützen? Oder könnte man sagen, der Schaden, der durch die Corona-Maßnahmen entstanden ist, ist wesentlich größer, als der, der verhindert wurde? Kannst du uns Beispiele dazu geben?

Prinzipiell ist es jetzt zu früh, weil wir‘s ja noch nicht wissen. Wir kennen den Schaden nicht, den die Maßnahmen angerichtet haben, weil die kommen ja erst. Wir haben keine Ahnung, was mit den ganzen Zombie-Unternehmen passiert, die jetzt künstlich durch finanzielle Spritzen am Leben erhalten worden sind, wenn plötzlich wieder die Zahlungen fällig werden, ob die nicht wirklich zusperren. Wir wissen nicht, was mit den Kindern passiert, die jetzt nicht wirklich in der Schule waren, in keiner klaren Struktur waren. Wir wissen nicht, was mit Menschen aus prekären Lebenssituationen passiert, wo fünf Kinder daheim sind und die müssen alle Homeschooling machen, haben aber nur einen Computer. Wir wissen nicht, wie viele Frauen geschlagen worden sind von ihren besoffenen Männern, weil die, anstatt dass sie beim Wirten saufen waren, daheim gesoffen haben und die Alte gebirnt haben, auf gut Deutsch. Also es sind so viel Sachen, die wir noch gar nicht wissen, dass es zu früh ist, etwas zu sagen. Also wenn du mit jemandem redest, der auf einer Intensivstation arbeitet, dann weiß er, dass das Problem mit den Intensivstationen vorher auch schon da war, ganz einfach, weil da eingespart wurde. Weil man den Pflegekräften viel zu wenig Geld bezahlt. Weil dort viel zu wenige Leute arbeiten, als es eigentlich bräuchte. Es mangelt nicht an der Anzahl der Betten,  sondern am Personal, das leistungsfähig ist und das überhaupt schafft. Da wurde massiv eingespart. Und das Schöne an dieser Corona-Krise, wenn man es so nennen möchte, ist, dass viele Dinge, die sowieso schon da sind als Meta-Krise, jetzt sichtbar werden. Und das ist vielleicht gar nicht so schlecht, weil jetzt könnte man, wenn man vernünftig agiert, darauf reagieren. Jeder im eigenen, individuellen Bereich aber von Seiten der Politik, der Entscheidungsträger,  könnte  man auch darauf reagieren. Ich weiß nicht, ob das passiert. Also im eigenen Bereich, wenn du mich fragst „Was habe ich gelernt aus Corona?“ Abgesehen davon, dass mich diese Maßnahmen nicht wirklich betreffen. Ich bin eine wirklich sehr privilegierte Person. Mein Tagesablauf hat sich durch Corona nicht geändert. Das was ich gerne mache, mache ich jetzt auch. In den Wald gehen kann ich. Solange sie mir das nicht verbieten, bin ich zufrieden. Aber es gibt Leute, denen geht‘s ganz ganz anders, die hat‘s wirklich hart erwischt. Also ich habe für mich gelernt, dass ich höchst wahrscheinlich, seit den letzten 50 Jahren möglicherweise, einige Menschen am Gewissen habe, weil ich gehör‘ genau zu der Generation, die gelernt hat, wegen einer Verkühlung „Bitte, jetzt komm, da gibt‘s ja Medikamente, die man nehmen kann. Die Fiebersenker, Aspirin C Komplexe, NeoCitran. Was du dir schnell reinhaust und dir geht‘s gut!“ Dann bist du infektiös, gehst raus mit einer Grippe, quälst dich, weil‘s so wichtig ist, zu furchtbaren Terminen und ich möchte nicht ausschließen, dass ich dabei irgendwen angesteckt habe, der wieder wen angesteckt hat, und wieder einer ist gestorben daran. Nur damals hat‘s niemanden interessiert, weil das narrativ war: „Scheiß dich nicht an, geh hackeln! Nimm was, ist kein Problem!“ Also die Erzählung hat sich geändert und ja ich würde es sicher so handhaben, dass ich in Zukunft, wenn ich merk, ich hab wirklich was, du merkst ja wenn du einen Effekt hast, und rotzen und niesen tust, dann wird man sich einfach nicht unter Leute mengen und die anstecken, selbst wenn das nichts Schweres ist, auch dann ist es für niemanden angenehm.

Das fiese an Corona ist ja quasi, dass so viele keine Symptome haben.

Ja dann sind sie auch nicht krank.

Ja eh, aber ein andrer, der sich dann ansteckt, könnte ja dann wieder einen schweren Verlauf haben.

Nein, du kannst dich nur bei jemandem anstecken, der infektiös ist. Wenn du den Virus in dir hast und der kann sich nicht vermehren, passiert nichts. Aber vielleicht hast du Studien bei der Hand, die das Gegenteil beweisen.

Roland Düringer im Interview mit 0816 (c) Andrea Sojka

Nein aber das, was ich weiß, ist, dass man trotzdem ansteckend ist, auch wenn man keine Symptome hat.

Genau. Und mit dem Wissen muss man sehr vorsichtig sein, weil das Wissen, das wir haben, beruht nicht auf Erfahrungen, sondern darauf, was uns andere an Information liefern. Das glaube ich zu wissen und wenn irgendjemand sagt, es gibt Menschen, die schwer ansteckend sind, obwohl sie keine Symptome haben, wenn das irgendwer behauptet, ist es in deinem Gehirn so verankert, aber niemand hat diese Studien jemals gesehen. Also ich bin sehr vorsichtig geworden mit allem, was man glauben darf und was man glauben soll. Weil das, was wir als Wissen bezeichnen, meistens nur auf Glauben beruht. Auf eine bestimmte Sicht, aus einem bestimmten Winkel, aus einer bestimmten Perspektive, auf ein Ereignis oder ein Objekt, aber du wirst nie alle Perspektiven, 360 Grad, um das Objekt, dann oben und unten auch noch, machen können, damit du genau weißt, was ist das eigentlich, das ist ja unmöglich. Das kannst du nur bei Dingen machen, die du wirklich selbst erfährst, darum sagen ja die Buddhisten: „Glaube nichts, was du nicht selbst erfahren hast.“

„…darum sagen ja die Buddhisten: Glaube nichts, was du nicht selbst erfahren hast“

Denkst du, dass die Bundesregierung mit den Maßnahmen beziehungsweise der Art, wie diese kommuniziert wurden, in Wahrheit gescheitert ist? Mit welcher Begründung?

Also gescheitert liegt wieder im Auge des Betrachters. Manche werden das furchtbar super finden, was die gemacht haben, für die sind die Entscheidungsträger Helden, weil sie alles richtig gemacht haben. Für andere wieder nicht. Was mich massiv gestört hat, ist die Art der Kommunikation und vor allem, wie sie erfolgt ist. Das Schlimmste für den Menschen im Einzelnen aber auch für eine Gruppe, also eine ganze Gesellschaft, ist eine hypothetische Angst vor etwas, das sein könnte. Wenn du Angst hast vor etwas, das real ist, weil‘s wirklich da ist, agieren soweit ich das in meinem Leben erfahren durfte, Menschen sehr sehr vernünftig, weil da helfen alle zusammen, weil sie wissen „Jetzt geht‘s ans Eingemachte!“ Das, was bei Corona passiert ist, ist ja nicht das erste Mal passiert. Das war bei der Flüchtlingskrise so, beim Kampf gegen den Terror und sogar bei der Finanzkrise. Eigentlich hat sich Europa damals total gespalten, weil man gesagt hat „Die faulen Griechen oder die faulen Italiener. Deswegen haben wir jetzt so viele Schulden.“ Das ist sehr sehr gefährlich, weil es mit uns was macht. Und das ist passiert und bewusst gesteuert gewesen. Man hätte auch hingehen können und sagen „Wir wissen noch immer nicht, was es ist, bleiben‘s aber drinnen, verhaltet‘s euch g‘scheit, wir können euch sagen, was ihr tut, vielleicht haben wir Glück und es ist wirklich eine stärkere Grippe. Wenn‘s g‘schissen wird, dann müss ma uns sowieso was überlegen, weil da haben wir die Kapazität dann nicht mehr, außer sie schützen sich selbst und bleiben drinnen.“ Ähnliches Szenario in Ostösterreich, wir sind ja umzingelt von Atomkraftwerken, wenn da ein Störfall ist, ist Wien ein Treffer. Und dann stellt sich die Frage nicht „Geh ich doch noch raus oder muss ich eine Maske tragen?“ Dann bleiben wir automatisch alle drin, weil keiner will sich der Strahlung aussetzen. Wissend aber, dass wir eh keine Hunderttausend Tote haben werden, war das sehr sehr schlecht. Aber das haben die Deutschen genauso gemacht mit dem Strategiepapier und das hat viel Schaden angerichtet.

Denkst du nicht, dass es eigentlich gut war, dass es auch die Strafen gegeben hat, weil es wurden ja zum Beispiel dann Verordnungen ja auch wieder als nicht rechtskräftig entschieden.

Waren sie auch nicht, weil sie nicht begründet waren. Alle die Maßnahmen, die stattgefunden haben, konnten eigentlich nicht durch wissenschaftliche Studien begründet werden. Das war ein Entscheid vom Verfassungsgerichtshof, der gesagt hat, diese Verordnung war nicht rechtskonform ganz einfach deswegen, weil die Begründung fehlt, also nicht, weil die Begründung falsch ist, sondern die haben nicht einmal eine Begründung dazugelegt. Und wenn ich Studien habe, die das belegen, dann leg ich die rein. Die haben eigentlich nichts gehabt und ja alles, was dann passiert ist, mit Strafen und Drohungen und so, ein bissl hat ma sich da gefühlt in der Situation, wie wenn die Regierenden die Erziehungsberechtigten wären, aber schlechte Erziehungsberechtigte, die mir nix erklären, sondern du kennst das sicher auch, wenn die Eltern dann irgendwann, wenn du schon paar mal gefragt hast, warum warum und dann sagt dir der Papa oder die Mama, weil ich’s so sag und aus … und so war das .. wir sagen das so und aus, jetzt wollen wir nix mehr hören, gibt’s keine Gegenmeinung. Es hat ja nie wirklich ein Diskurs stattgefunden, also wirklich ein öffentlicher Diskurs, wo man unterschiedliche Meinungen der Wissenschaft zu Wort kommen lässt und da hat auch der Kurz eigentlich den legendären Satz gesagt, er hört nicht auf die falschen Experten. Wenn du dich erinnern kannst, also ich mein entschuldige, was heißt das, wer entscheidet, was sind falsche und richtige Experten. Das Wesen von Wissenschaft ist ja nicht, dass sie einen einheitlichen Standpunkt hat, sondern dass es total widersprüchliche Sichtweisen gibt und das darüber gestritten und diskutiert wird, das ist Wissenschaft.

Was wolltest du damit ausdrücken? Du hast bereits die Kommunikation angesprochen, also wie uns die Maßnahmen kommuniziert wurden.

Naja, nicht nur, wie die Maßnahmen kommuniziert wurden, sondern überhaupt, wie die ganze Kommunikation jetzt läuft. Dass es offenbar so ist, dass es ein Narrativ gibt, eine Erzählung, die wird so rausgehaut und die haben alle Medien sozusagen zu verbreiten. Jetzt sagen die Medien natürlich Moment, wir kritisieren sehr wohl die Regierung. Stimmt, aber sie kritisieren sie, weil zu wenig Impfstoff da ist, weil sie zu wenig bestellt haben, weil die Masken aus China kommen, wo steht made in Austria, aber was nicht hinterfragt wird, ist, sind die Maßnahmen verhältnismäßig zu dem, was es ist. Die Diskussion findet nicht statt. Mit Ausnahmen, es gibt Sender, die das sehr wohl machen, aber im Großen und Ganzen ist es eigentlich nicht so.

Und was wolltest du mit deinem Video speziell kritisieren?

Mein Beitrag, da ist es gar nicht um die Kommunikation gegangen, bei dem Text den ich gesprochen habe, den ich mir ja selber geschrieben habe, ist es um die Eigenverantwortlichkeit überhaupt gegangen, aber vor allem, was die eigene Gesundheit betrifft. Wir können nicht pausenlos irgendjemanden für irgendetwas verantwortlich machen, was uns passiert, was uns widerfährt. Jeder Mensch muss ein bissl auf sich selber schauen in vielen Bereichen. Es gibt einfach Faktoren, die dich schwächen, das weiß man. Zu wenig Bewegung, zu viel Essen, Diabetes… es gibt viele dieser Zivilisationskrankheiten, die den Organismus ganz einfach schwächen, das heißt nicht gleich, dass du daran stirbst, aber dass du schwach bist. Dass du ein feineres Leben haben könntest, wenn du besser beinand wärst, das ist so. Darum geht’s zum einen in meinem Spot, dass man sich selber stärkt, so gut es geht und wachsam ist, auch, dass man einfach eine Ruhe gibt. Es ist ein Unterschied, ob ich merk, mir geht’s nicht so gut, ich quäl mich, aber wegen irgendwas oder ich sag mir gehts nicht gut, ich leg mich hin und schlaf das aus. Das zweite ist, dass wir momentan in einem Denken gefangen sind, dass der Tod und die Krankheit ein Fehler ist, der nicht passieren darf, aber es ist nicht so. Das gehört zum  Leben dazu. Auch Wildtiere werden krank, sterben, werden gefressen, das ist das Leben.

Und weil du angesprochen hast, dass die Maßnahmen nicht verhältnismäßig waren, auf was könnten die Maßnahmen sonst abgezielt haben, wenn nicht auf unseren Schutz vor dem Virus?

Eine Absicht würde ich da jetzt niemandem in die Schuhe schieben wollen. Man hat einfach hysterisch überzogen reagiert, weil man ja nicht wusste, was es ist. Weil die Vorgeschichte war ja, dass es in China schon vor Weihnachten losgegangen ist und dass es da schon die ersten kritischen Stimmen gegeben hat auch in Europa, die gesagt haben, Freunde, das ist nur eine Frage der Zeit, bis das zu uns auch kommt und wenn das das ist, was sie uns liefern an Bildern die Chinesen, da haben sie uns ja Bilder geliefert, wo Menschen tot umfallen auf der Straße, was auch immer das war, diese ganzen Horrorszenarien. Die mit den Schutzanzügen mit Desinfektionsmittel umeinanderspritzen und da haben unsere Entscheidungsträger noch beschwichtigt und gesagt, „Nana, um Gottes Willen, das kommt ja nicht zu uns, keine Gefahr“ und innerhalb von ein paar Wochen haben sie die Erhöhung umgedreht. Da waren die, die gewarnt haben, die Spinner, die Verschwörungstheoretiker, die Rechten, die die Grenzen zumachen wollen und drei Wochen später war’s umgekehrt, die, die gesagt haben, nicht hysterisch werden, waren dass die Spinner. Sie haben alles, was möglich war, einmal getan, um Leben zu retten, zu schützen, etc. Nur, wenn du dir das einmal anfängst, kannst du keinen Rückzieher mehr machen. Dann zu sagen, „He war ein bissl zu viel, tut uns leid, wir entschuldigen uns“. Sag einmal einem Hotelier, der das Hotel zusperren hat müssen oder irgendeiner Friseurin oder einem anderen kleinen Mittelbetrieb, es tut uns leid, war ein Fehler. Das geht nicht. Das hältst du politisch nicht durch, also war die einzige Möglichkeit, drauf bleiben und das wird halt gemacht und ich find das halt mit den Masken in manchem Bereich, wenn ich im Freien dann junge Menschen sehe, die eine Maske aufhaben, das schadet euch mehr das Ding, im Freien oder im Auto, wenn Menschen alleine im Auto sitzen mit einer Melittatüte im Gesicht, dann kann ich eigentlich gar nichts mehr dazu sagen.

Die satirischen Clips von Betroffenen der Corona-Maßnahmen aus dem Kulturbereich sorgten für heftige Diskussionen und Kritik. (Standard)

#allenichtganzdicht (Jan Böhmermann)

Neue Recherchen zu der Video-Aktion #allesdichtmachen suchen nach Verbindungen ins Querdenker-Milieu (Süddeutsche Zeitung)

Wir von 0816 finden die Aktion #allesdichtmachen echt org und fragen uns, was an den Recherchen nach Verbindungen ins Querdenker-Milieu dran ist? Was hältst du überhaupt davon, dass es jetzt diese Schubladen gibt wie „Querdenker“ und „Corona-Leugner“? Habt ihr mit der Aktion rechten Demagogen in die Hände gespielt (siehe Heike Makatsch Statement)?

Ich hab vor sicher schon einem halben Jahr oder länger diesen Spot gesehen von der deutschen Bundesregierung „Besondere Helden“, wo dieses Ehepaar zu Hause ist (damals 2020), wo also zwei Junge auf der Couch liegen, McDonalds Sachen fressen und Netflix schauen. Sie waren besondere Helden, weil sie zu Hause geblieben sind und das hat mich eigentlich so berührt, was ich da gesehen habe, weil das einfach sowas von nicht meinem Menschenbild entspricht, dass junge Leute, die daheim am Sofa liegen und Junk Food fressen und Netflix schauen, Helden sind, das geht sich in meinem Weltbild nicht aus. Das hat mich wirklich geärgert, dass man sowas von staatlicher Seite macht, da hat man nix machen können. Anfang des Jahres hat mich der Deutsche Filmemacher Brüggemann kontaktiert, er sucht Schauspieler, die Videoclips aufnehmen, die alle nach einem gewissen Muster funktionieren. Er hat mir drei Videos, die er vorproduziert hat, gezeigt, die hab ich mir angeschaut, dann hab ich verstanden, um was es geht. Er hat auch Textvorschläge gehabt, teilweise sehr lustige, sehr witzige aber ich hab gesagt, ich brauch das nicht, weil ich schreib mir das selber und ich schick dir ganz einfach ein Video und das hab ich gemacht. Ich hab’s aufgenommen, ihm geschickt, er hat sich bedankt und irgendwann hat er gesagt, du es ist soweit wir haben 50 beinand, ich schick euch noch alle, damit ihr wisst, wo ihr dabei seid, was das ist und dann könnt ihr immer noch sagen, na will ich nicht. Ich hab mir die alle angeschaut, hab nicht alle großartig gefunden aber viele sehr sehr witzig und schräg, weil’s genau diesem Pathos, diesen Spots von der Bundesregierung entsprochen hat, und das haben’s eigentlich recht gut gemacht, find ich.

Also das Kompliment ist, dass es diesen schwarzen Humor, den ich an den Briten so liebe, gehabt hat, von dem wie’s gemacht war und ich hab gesagt, gerne, ich bin dabei und dann ist es rausgegangen und vier Minuten später hat schon die Erste einen Rückzieher gemacht. Die haben offenbar nicht gewusst, was sie da tun teilweise die Leute, die da mitgemacht haben. Die waren vollkommen von den Socken, was da passiert. Die leben in ihrer Blase, ich bin ein Star, mich haben alle so lieb, ich hab so viele Fans, bei mir traut sich doch keiner  irgendwas sagen, na schwubdiwub sind sie niedergehackt worden. Mir ist sowas wurscht, weil ich kenn das in meinem Leben seit 20 Jahren. Ich krieg immer einen auf die Mütze und zwar immer von der selben Seite, immer von denen, die sich selbst auf der richtigen Seite wähnen, also die Guten. So wie der Standard, das sind ja die Guten. Daher hat mich das überhaupt nicht berührt oder so. Und das dann natürlich immer, wenn du gegen einen Inhalt keine Argumente hast, keine wirklichen Argumente, dann musst du dich auf den Überbringer der Botschaft stürzen und den diffamieren. Also nicht nur was gesagt worden ist, sondern den der’s gesagt hat und dann musst du irgendeine Verbindung herstellen zu etwas ganz ganz Bösem, das heißt, du musst den Überbringer der Botschaft entmenschlichen und zu einem Objekt machen, das mit irgendwas in Zusammenhang steht.

„Das heißt, jeder, der Maßnahmen kritisiert, muss medial hingerichtet werden und als Rechter und als Verschwörungstheoretiker, als Corona-Leugner etc. gebrandmarkt werden.“

Das heißt, jeder, der Maßnahmen kritisiert, muss medial hingerichtet werden und als Rechter und als Verschwörungstheoretiker, als Corona-Leugner etc. gebrandmarkt werden. Das haben sie auch gemacht, Dienst nach Vorschrift sozusagen. Und die sind jetzt fix und fertig, dass ihnen das passiert ist. Ich kenn ja die meisten nicht, außer die Nina Proll, mit der hab ich schon gedreht, aber sonst kenn ich die alle nicht aber eines weiß ich, was die nicht sind, Rechte. Die kommen aus einem ganz anderen Eck, teilweise Ultra-Linke und die kriegen jetzt von der eigenen Brut sozusagen umgehängt, dass sie es mit den rechten Bakterien zu tun haben. Also da steht schon ein bisschen die Welt am Kopf. Alles anders, als die es eigentlich gewohnt waren und genauso bei der Hinrichtung beim Standard. Sie haben nur über links und rechts diskutiert und über den Sellner und Küssel. Das hat alles nichts mit dieser Aktion zu tun. Klar, ich kann jedes Thema zu einem rechts links Thema machen, also wenn ich mir einen Thunfischsalat nimm mit einem Semmerl und der Herr Sellner hat das auch gegessen, dann möcht ich gleich was anderes bestellen. Es ist nur mehr gaga. Die sind wirklich blöd, und mit blöd mein ich, in einem Weltbild gefangen, predigen tolerante Gesellschaft, Offenheit, Demokratie, Meinungsaustausch, aber nur, wenn sie ihrer Meinung entspricht. Da denk ich mir, wo bin ich da jetzt gelandet.

Hat die Aktion ihren Sinn und Zweck deiner Meinung nach erfüllt? Oder war es ein Schuss in den Ofen? Warum?

Den Zweck, dass wir jetzt drüber reden, dass ich mit dem Standard drüber geredet hab und in einem Teil der deutschen Presse darüber geredet wird, damit ist der Zweck erfüllt.

Was hältst du davon, dass sich einige, die mitgemacht haben, bereits von der Aktion distanziert haben? Kannst du ihre Beweggründe nachvollziehen?

Naja, die haben offenbar nicht verstanden, was das ist. Es wird unterschiedliche Gründe gehabt haben, mitzumachen, ich denk mir, dass da viele untereinander befreundet sind, und dann sagt einer, heast, ich mach ein Video, machst auch eins und der andere, ja lustig, ohne zu hinterfragen, was das eigentlich ist. Und haben nicht mal eine Minute Zeit darauf verschwendet, zu schauen, was ist denn in den anderen Videos, was ist das, wo ich da dabei bin. Ich mein ich, ich steh total hinter dem Ding und ich find’s super, dass das so passiert ist. Also für mich ist die Mission total geglückt, natürlich wär’s feiner gewesen, wenn einfach wirklich sich alle an die Abmachung gehalten hätten und kein Kommentar dazu abgegeben hätten. Einfach machen, danke.

Aber es haben vielleicht doch einige mit ihren Videos ins Klo gegriffen und deswegen einen Rückzieher gemacht.

Nein, ich glaub eher, dass sie im Zusammenhang mit dieser Aktion genannt werden und mit Querdenkern und Applaus von der AFD, da ist es gar nicht um den Inhalt der Videos gegangen, weil es war nicht irgendein Video dabei, was irgendjemanden beleidigt oder gekränkt hätte. Und wenn der Richy Müller mit seinen Sachen, wo er die Zwei-Tüten-Atmung macht, damit er keine Raumluft einatmet, das war total witzig bitte und auf einmal haben die Leute gesagt, er macht sich über die Menschen an der Beatmungsmaschine lustig. Null, das hat gar nichts mit einer Beatmungsmaschine zu tun. Aber so ist halt gleich was reininterpretiert worden. Man muss sich gleich empören, furchtbar, weil man auch die Möglichkeit dazu hat, man kann ja gleich einen Tweet abgeben. Man kann sich über irgendwas furchtbar aufregen, wenn einem das gut tut, wenn das einer braucht, dann sollen sie’s machen, mein Gott. Das ist ja das, was jetzt läuft, dass Menschen die normalerweise total feige Würstchen sind, jetzt die Möglichkeit haben, den harten Hund raushängen zu lassen, der was zu sagen hat. Aber wenn die Menschen vor mir stehen würden, würden sie nichts rauskriegen.

Du hast bereits den Versuch gewagt, in der Politik etwas zu bewirken. Welche Maßnahmen hättest du (nicht) ergriffen, wenn du die Möglichkeit dazu gehabt hättest? Was hättest du anders gemacht?

Zum einen, ich hab nicht probiert in der Politik irgendwas zu bewirken, ich hab nur probiert den ungültigen Stimmen in diesem Land eine Stimme zu geben. Wo normalerweise ungültig steht, steht “meine Stimme gilt”. Das war mein Kunstprojekt, mehr war das nicht. Also keine überpolitischen Ambitionen. Und zu sagen, was hätten sie als Politiker anders gemacht, erste Antwort ist: gar nicht Politiker zu werden. Dort würde ich überhaupt nicht hinpassen. Was ein Gesundheitsminister in so einer Situation machen sollte, ist natürlich schwierig.

Was hältst du von den Lockerungen, die ab 19.Mai gelten sollen? Bzw. von der Art, wie sie uns präsentiert wurden? Können wir einen erneuten Lockdown somit verhindern? Und was, wenn nicht? Wie steht es dann um die Kunst und Kulturszene?

Die Kunst und Kulturszene wird irgendwie probieren, wieder in die Gänge zu kommen, ob das vor dem Sommer noch funktioniert, mag ich zu bezweifeln, zumal ja die Bedingungen, unter denen das stattfinden darf, keine angenehmen sind, weil der Veranstalter oder der Betreiber des Theaters ist ja darauf angewiesen, dass die Hütte voll ist, damit er irgendwie auf gerade kommt. Und die Frage ist ja, wieviele Leute dann überhaupt noch fortgehen, also da sind wir vielleicht in einem halben Jahr bis Jahr gescheiter. Sonst, ob das jetzt beendet ist oder ob das weitergeht, also rein theoretisch, könnten wir jetzt jeden Herbst einen Lockdown machen, wir brauchen nur Menschen, die krank werden. Solange Menschen im Spital liegen und husten und alte Menschen liegen auf der Intensivstation mit einer Infektion, haben wir eigentlich defakto genau das Gleiche. Weil dem, der auf der Intensivstation liegt, mit Multiorganversagen, dem ist scheißegal, wie der Virus heißt, ob das Corona ist oder Influenza, die Person weiß, sie stirbt jetzt. Also müsste man eigentlich gerechterweise das jetzt jede Wintersaison so machen, weil es immer wieder Menschenleben kostet. Da können wir uns als Gesellschaft dazu entscheiden, das machen wir jetzt immer. Und wenn dann welche sagen, na das können wir nicht immer machen, dann sag ich aha ihr tuts keine Leben mehr retten, was ist auf einmal, es ist doch so wichtig, dass jedes Leben zählt, na dann müss ma was machen. Es ist ein spannendes Thema, weil wir hatten das vor Corona, dass immer wieder Menschen durch das saisonale Grippe Influenza Virus gestorben sind. Das gehört einfach in der Mortalität statistisch dazu, dass immer so ab Jänner bis Ende März ein Peak ist, ganz einfach deswegen, weil dann die Leute, die eh schon schwach sind, an einer Lungenentzündung dahingerafft werden und das haben wir immer. Und dann können wir sagen, das wollen wir nicht mehr, dann müssen wir aber auch immer Lockdown machen von Jänner bis Mai. Ganz ehrlich, weil denen die krank werden, nochmal, denen ist egal, wie der Virus heißt.

Zur Kunst und zu dir… Kannst du uns einen Ausblick auf deine anstehenden Projekte geben?

Ja, es haben sich glücklicherweise ein paar Sachen ergeben. Über den Sommer dreh ich ein paar Sachen – aller Voraussicht nach bin ich bei ein paar ORF-Produktionen dabei, arbeite mit einem alten Kollegen, dem Herrn Dorfer an einem Drehbuch für unsere Geschichte und meine Premiere, die ich eigentlich im Herbst gehabt hätte mit einem neuen Programm, die hab ich auf 2022 verschoben, weil ich mir gedacht hab, das Risiko, das 2021 unter sehr miserablen Bedingungen stattfindet, möchte ich nicht eingehen und wenn’s dann so wäre, dass wirklich immer noch Corona ist, dann haben wir eh ganz andere Sorgen, dann ist meine Premiere das Unwichtigste, was es auf dieser Welt gibt.

„Da gibt’s ein chinesisches Sprichwort: Mögest du nicht in spannenden Zeiten leben.“

Was hast du für dich aus der Pandemie mitgenommen?

Eins hab ich eh schon gesagt, dass ich sicher in meinem Leben einige Leben auf dem Gewissen habe. Wenn das so ist, dass wenn man eben wen ansteckt, dann hab ich das getan und kann mich bei diesen Herrschaften nicht mehr entschuldigen, weil die gibt’s nimmer und was ich sonst gelernt habe, ist das meine Einschätzung der Gesamtsituation,nmeine Einschätzung wie die Menschen mittlerweile ticken, die oft sehr schräg ist, bin ich oft sehr richtig gelegen. Wir steuern da auf etwas zu, das wir nicht im Griff haben. Das, was hier passiert ist, das ist erst der Anfang.

Also denkst du, dass wir uns nicht wirklich erholen werden von der Krise?

Nein, von dem kann man sich nicht erholen. Was in den letzten 20 Jahren bei uns passiert ist, diese Spaltung, diese Block-Bildung, diese vollkommene Hysterie bei Kleinigkeiten, das kannst du nicht rückgängig machen und jetzt sind wir noch froh, dass sich das alles auf Facebook und Twitter und Instagram entlädt. Wenn das da draußen auf der Straße passiert, wird es sehr ungemütlich, da würde ich niemandem empfehlen, dass er in Wien ist. Was ich damit sagen will, ist, wir sollten uns alle warm anziehen, weil besser wird es nimmer. Bis auf ein paar ganz wenige, die sich’s verbessert haben, aber das wissen wir eh, das sind immer dieselben, die üblichen Verdächtigen, die großen Konzerne verbessern sich’s immer und alle anderen fressen die Krot. Und keiner muckt auf, ich versteh das nicht. Wo sind die Leute, die in den Widerstand gehen. Wo sind die Linken in dem Land. Sie stehen am Straßenrand bei der Demo und schreien, wir impfen euch alle. Die Antifa steht dort und schreit und das sind die, die normalerweise immer im Widerstand waren gegen die Regierenden, das sind die, die quergedacht haben und jetzt gehen sie im Gleichschritt mit den Regierenden. Da steht die Welt am Kopf. Soll sich impfen lassen, wer sich impfen lassen will, es ist doch ganz einfach. Der nächste Schritt ist das digitale Geld. Digitales Zentralbankgeld, was der Bitcoin im Untergrund ist, wird dann das digitale Geld der Zentralbank sein und dann ist jede Tätigkeit, die wir ausüben nachvollziehbar. Schöne neue Welt.

Spannende Zeiten also…

Da gibt’s ein chinesisches Sprichwort: Mögest du nicht in spannenden Zeiten leben.

Mehr zu Roland Düringer und zu seinen aktuellen Projekten findest du hier.

Foto Credits Titelbild: Ernesto Gelles

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