Der Strichphilosoph

Manche Freunde warnen mich wegen der Impfung, aber was soll es. Ich habe im Häfen schon Rasierklingen und in der Psychiatrie den verseuchten Draht von einer Klobürste abmontiert, geschluckt. In Haftanstalten meine Hände x-mal mit Rasierklingen aufgeschlitzt, im „Ansa“ (Einser-Landesgericht) Blei vom Syphon abgeschabt und wie ein „Naserl“ eingezogen. 3x in einer Schlinge um den Hals in Zellen „abgehangen“, 3x eine Überdosis Tabletten geschluckt, 3x von mehreren Auftragsschlägern diverser „Gürtel-Partien“ körperlich fest bedient worden und schaute schon in eine 357er Magnum und einmal in eine „ganz normale“ 9mm….

Freddy Charles Rabak – Auszug „Der Strichfilosof“

Freddy Rabak, „Strizzi“ im Wiener Milieu, erzählt auf seinem Blog und in seinen Büchern über sein Leben. Der 75-jährige war einst Installateur und Entfesslungskünstler, danach im Rotlichtmilieu tätig und ist heute Schriftsteller und lebt und arbeitet in Kärnten.

In seinem Buch „Strizzi-Anekdoten – Es war einmal in Wien“ erzählt Rabak von seiner Geschichte im Rotlichtmilieu.

Rabak ist gebürtiger Wiener. Freddy Charles Rabak hatte schon viele Namen: „der schöne Ederl“, „Freddy Brand jr.“, „Strichfilosof“, „Zauberer“ und „Brillanten-Freddy“.

Sein Vater, „Ferry Brand“, war Entfesslungskünstler und auch Rabak selbst übte diese Kunst aus. In seinem Buch „Der alte Mann und das Rotlicht“ beschreibt Freddy etwa, wie er sich einst auf einem Dorffest in der Steiermark vor einer Kirche kopfüber in einer Zwangsjacke aufhängen ließ und sich daraus befreite.

Prostitution vor 2000
Nach einigen Jahren als Entfesslungskünstler wechselte Rabak ins Rotlichtmilieu. Er initiierte die „Hurendemonstration“ im Jahre 1993. Durch die damaligen neuen Schutzzonen, besonders am Gürtel, wurden viele Zonen für Prostituierte zurückgedrängt. Rund 60 Etablissements waren betroffen. Dadurch wurden viele Prostituierte arbeitslos. Bis 1989 galt Prostitution laut einem Urteil vom Obersten Gerichtshof noch als „eine Gefahr für familienrechtliche Institutionen“ (Chmilewski 2011, Sexarbeit in Wien).

Die erste Regelung betreffend der Prostitution in Wien wurde in Form der Wiener Prostitutionsverordnung im Jahr 1975 erlassen. Die erklärte Absicht war es, die Straßenprostitution räumlich zu begrenzen. Diese wurde damit aus der Innenstadt verbannt. 1984 trat das erste Prostitutionsgesetz in Wien in Kraft. Es regelte Bestimmungen zur Meldepflicht und zu Schutzzonen in Wien. Die Prostitution wurde in der Nähe von Schulen, Krankenhäusern, Kirchen und Bahnhöfen untersagt.

Prostitution heute
Gewerbsmäßige Prostitution ist in Österreich zulässig, soweit sie nicht Minderjährige involviert, ausbeutenden oder Zwangscharakter annimmt oder mit dem Verbot des
Menschenhandels in Konflikt gerät. Sexarbeiter*innen können
derzeit als „Neue Selbstständige“ tätig sein und sie dürfen sich selbst kranken- und
unfallversichern.

2011 wurde das Prostitutionsgesetz novelliert. Daraufhin wurden 2012 das gesamte Wohngebiet Wiens sowie der Prater zur Schutzzone erklärt. Laut NGOs führte dies dazu, dass Sexarbeit strenger reguliert und kontrolliert wurde. Dadurch würde aber auch die Konkurrenz und der Preisdruck begünstigt.

Nach seinem Zwischenstopp im Rotlichtmilieu wurde Freddy Rabak Koksdealer, landete viele Male im Gefängnis. Er lebte eine Zeit lang mit seiner damaligen Ehefrau Andrea in Spanien. Sie nahm sich das Leben, ein tiefer Schnitt in Rabaks Leben, der bis heute noch schmerzerfüllt auf seinem Blog darüber schreibt:

„Heute wäre unser Hochzeitstag gewesen. Doch statt einer kleinen Feier mit Dir gibt es große Trauer in mir. Die Vorwürfe, mit denen ich mich täglich quäle, werden mich in den Schlaf geleiten.“

In seinem Roman „Strizzi-Anekdoten“ schreibt Rabak: „Auf die oft gestellte Frage, ob sich Verbrechen lohnt, lautet meine Gegenfrage ‚Lohnt sich schlecht bezahlte Sklavenarbeit?'“.

Heute lebt er mit seiner Ehefrau in Kärnten und schreibt seine Biografien.

Hier findest du eine Leseprobe und kannst das Buch von Freddy kaufen:

Credits Titelbild: Götz Schrage

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