Tagebuch einer Weltenpendlerin

Pendeln zwischen Wien und der Welt. In ihrem Tagebuch schreibt die Tagelöhnerin über ihr Leben zwischen zwei Welten, der Hitze im Sommer in Wien, dem Leben am Land und alles, was dazwischen passiert. Meistens im Zug oder im Bus unterwegs – oder mit dem Rad.

Montag, 18. Juli 2022

Im Zug. Zwei junge Männer unterhalten sich über den Krieg in der Ukraine.

„Denkst du, es ist egoistisch, sich nicht am Krieg zu beteiligen und in die Armee zu ziehen sondern sein eigenes Leben zu leben und glücklich zu sein?“

„Nein, ich finde das nicht egoistisch.“

„Und wieso nicht, wir sind doch auch Teil des Ganzen.“

„Ich bin so hin- und hergerissen zwischen zwei Welten. Aber müssen sich diese Welten ausschließen. Kann man nicht auch versuchen, beides zu machen. Wieso denken wir immer so in schwarz und weiß. Ich meine, man kann ja auch anderen helfen, indem man sich nicht so aktiv am Krieg beteiligt. Vor Ort. Und sich einmal selbst zu helfen, bevor man anderen hilft. Menschen streben danach, besser zu leben. Es ist nicht egoistisch, das zu wollen.“

Die Männer reden weiter.

„Viele Menschen sind egoistisch.“

„Ja, klar, aber das ist kein Grund, selbst auch egoistisch zu sein. Andererseits muss man sich fragen, wem und ob es was bringt, wenn man in den Krieg zieht. Würde es nicht mehr Sinn machen, da zu schauen, wo man lebt, etwas zu helfen. Ich meine, anderen zu helfen.“

„Okay, macht Sinn. Aber ich meine, wenn du nach Wien reinfährst, siehst du die ganze Zeit Bonsn mit ihren fetten Autos und die helfen fix keinem.“

„Es gibt aber auch andere Menschen in Wien. Die Leute, die anderen helfen. Die ganzen sozialen Einrichtungen zum Beispiel.“

„Und wie siehst du das mit dem Klima. Ich meine, man kann doch auch die Natur in die Stadt bringen, oder. Oder macht es mehr Sinn, autark in einem Wald zu leben.“

„Wieso nicht beides. Du denkst zu sehr schwarz und weiß. Man kann doch auch beides, oder nicht.“

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